Haushaltsrede des
FDP-Fraktionsvorsitzenden Günther Dirks zum Haushalt 2007 der Stadt Borken
Sehr
geehrter Herr Bürgermeister,
verehrte
Kolleginnen und Kollegen des Stadtrates,
geschätzte
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung,
meine Damen
und Herren,
auch in diesem Jahr hat sich unsere Fraktion recht intensiv
mit dem Haushaltsentwurf der Stadt Borken beschäftigt, der ja die Grundlage für
die Politik im Jahre 2007 bildet.
Während insbesondere die Mehrheitsfraktion Änderungen
eingebracht hat und diese natürlich dann auch angenommen wurden, wurden unsere
Vorschläge, wie in der Vergangenheit üblich, auch in diesem Jahr wieder
abgelehnt.
Über einen dieser
abgelehnten Anträge bin ich heute noch gefahren. Aufmerksame Beobachter werden festgestellt
haben, dass der im Vorjahr von der FDP-Fraktion angeregte und hier im Rat
abgelehnte „Umbau der Kreuzung Ahauser Str./ Coesfelder Str.“ nun umgesetzt
wurde.
Die von der
FDP-Fraktion beantragte Umgestaltung und Modernisierung der Platzanlage
„Johanniterstraße/ Walienstraße“, im Vorjahr vom Rat
abgelehnt, soll nun im kommenden Jahr realisiert werden.
Mit Datum vom 09.
Januar 2006 regte die FDP-Fraktion an, eine Hochschule mit der Erstellung eines
Verkehrskonzeptes für Borken zu beauftragen. -abgelehnt- Noch im Jahr 2006
wurde nun ein entsprechender Auftrag vergeben.
Für das Haushaltsjahr
2006 beantragten wir die Bereitstellung entsprechender Mittel für Planungsarbeiten
in Sachen Umgestaltung „Mühlenstraße/ Kirchplatzumfeld“. - abgelehnt- Aktuell
stellte nun das Büro Club 94 seine diesbezüglichen Pläne vor.
Ich bin nun zuversichtlich, dass auch
im Haushaltsjahr 2007 der ein oder andere unserer Anträge, die nun wieder
gewohnheitsmäßig abgelehnt wurden, in Angriff genommen wird.
Verehrte
Kolleginnen und Kollegen im Rat:
„Allein mit Ablehnung hat man noch
nie etwas erreicht, auch in Borken nicht!“
Meine Damen
und Herren,
für wenig hilfreich halten wir es, ellenlang über die Bundes
–und Landespolitik zu lamentieren, obwohl es im Ergebnis richtig ist. Natürlich
haben Bund und Land Gesetze beschlossen, mit der Folge, dass die finanziellen
Lasten bei den Gemeinden hängen bleiben.
Es ist auch nicht ersichtlich, dass sich in den nächsten
Jahren etwas daran ändern wird. Wir im Stadtrat haben leider nur sehr geringe
Möglichkeiten, uns diesen umklammernden Würgegriffen des Bundes von der einen
Seite und des Landes von der anderen Seite zu entziehen.
Umso mehr sind wir aber gefordert, mit Augenmaß und
Weitsicht die öffentlichen Angebote und die kommunale Infrastruktur in Borken
so zu gestalten, dass die nächste Generation
die Chance hat,
im Sinne der
kommunalen
Selbstverwaltungsautonomie das
Leben in der Stadt in wesentlichen Belangen selbst gestalten zu können.
Im Jahr 2006
hat sich die Finanzsituation in Borken besser entwickelt als zunächst
angenommen wurde. - Das ist auch gut so.-
Wesentliche
Verbesserungen ergaben sich im
Einnahmebereich, Stichwort
Gewerbesteuer.
Außerdem
fielen die Schlüsselzuweisungen des Landes höher aus als erwartet und im
Haushaltsplanentwurf angegeben wurden.
Wir dürfen
aber nicht den Fehler begehen, angesichts sprudelnder und üppig fließender
Einnahmen den zurzeit gewählten Kurs der soliden Haushaltsführung aufzugeben.
Der
Kostendruck, insoweit ist die Ausgabenseite betroffen, wird im Jahre 2007 nicht
abnehmen, er wird eher größer werden.
Unsere
gemeinsame Aufgabe muss es deshalb sein, jede einzelne Aufgabe daraufhin zu
überprüfen, ob diese Aufgabe übernommen werden kann, ob die damit verbundene
Ausgabe getätigt werden muss.
Wir als FDP-Fraktion möchten den
Kurs halten:
Verantwortungsbewusste
Haushaltsführung/ Rücklagen schaffen
- Zukunft gestalten.
Bürgermeister
und Kämmerer haben in ihren Haushaltsreden, die wir ausdrücklich begrüßen,
bereits ausführlich die Einnahme- und Ausgabenseiten des Haushaltes erwähnt. Insofern
verzichte ich auf eine erneute Nennung dieser
Zahlen.
An dieser
Stelle möchten wir uns ausdrücklich bei unserem Kämmerer, Herrn Middel, bei Herrn Feldkamp und seinem Team für ihre erfolgreiche
Arbeit bedanken.
Gemeinsam
ist es ihnen gelungen, ein solide geführtes Haushaltsjahr positiv
abzuschließen.
Sehr
geehrter Herr Middel,
aufmerksam
und mit unserer vollen Zustimmung haben wir ihre Aussage zur Kenntnis genommen,
eine Stadt müsse sich wirtschaftlich betätigen, unternehmerisch handeln.
Unsere Zustimmung haben Sie!
Wir sind uns
jedoch bewusst, und das möchte ich an dieser Stelle deutlich sagen, dass dieses
allein nicht die Lösung aller Probleme ist und die allein selig machende Wahrheit
darstellt!
Bewusst möchte ich daher an dieser
Stelle die Gelegenheit nutzen, den vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der
Verwaltung unseren Dank auszusprechen für die geleistete Arbeit im
zurückliegenden Jahr.
Sehr
geehrter Herr Bürgermeister,
sie nannten
in Ihrer Haushaltsrede zum Haushalt 2007 mehrere Investitionsvorhaben,
erfreulicherweise auch zu Gunsten der Stadtteile.
Wir begrüßen diese Vorhaben
ausdrücklich, die FDP hat Investition auch immer gefordert.
Es handelt sich bei den genannten
Vorhaben aber, ich zitiere aus meiner Haushaltsrede aus dem Vorjahr:
„… um ein politisches
Pflichtprogramm, dem das nachfolgende Kürprogramm fehlt.“
Sehr
geehrter Herr Bürgermeister,
wir haben
die notwendigen Haushaltsmittel, es stellt sich nur die Frage, ob wir sie an
der richtigen Stelle einsetzen.
Sagen Sie
2007 „Ja“ zu weiteren Investitionen:
„Ja“ zu
Maßnahmen, die dem Ziel einer Neu- Umgestaltung des Innenstadtbereiches „Mühlenstraße/
Kirchumfeldplatz“ dienlich sind
„Ja“ zur
aktiven Weiterentwicklung des Baugebietes „Wasserstiege“
„Ja“ zur
Bereitstellung von Haushaltsmitteln im Jahr 2007 für die Errichtung einer
Gymnastikhalle in Gemen
Herr Bürgermeister,
wir brauchen Positionslampen, keine
Glühlampen!
In den Vorjahren wurde sehr viel über bestimmte
Investitionsvorhaben geredet und diskutiert, so über das Baugebiet
„Wasserstiege“, Pläne wurden gefertigt, Ideen vorgestellt. Das Vorhaben, in
Borken ein Krematorium zu errichten, wurde heftig diskutiert. Ich erinnere an
die Diskussion zur Thema Südspange, an die Glaubensfrage
„Tunnel ja oder nein“.
Verehrte Kolleginnen und Kollegen im Rat, insbesondere die
der Mehrheitsfraktion, konsequent ist ihre Politik, konsequent werden unbequeme Themen aus dem
Focus politischer Zielverfolgung genommen, vermutlich auch beerdigt.
Einem aktuellen Investitionsvorhaben sehen wir
Freidemokraten zurzeit mit wachsender Skepsis entgegen. Ich meine das Vorhaben
„Interkommunales Gewerbegebiet“.
Die FDP, wie alle anderen im Stadtrat vertretenen Parteien
ebenso, haben den bis dato vorgelegten Plänen und Anträgen zugestimmt.
Nach wie vor stehen wir zu der damaligen Entscheidung. Wir
haben nun aber den Mut, unsere
Entscheidungen in dieser Sache
neu zu überdenken.
Ist es richtig, bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt, erneut
Gelder, aktuell 100.000 Euro für Planungs – und Gutachterkosten bereitzustellen, obwohl der
Gebietsentwicklungsplan noch nicht entsprechend geändert wurde?
Um
Missverständnisse zu vermeiden,
als FDP sind wir natürlich für die Bereitstellung von
Gewerbeflächen und die Ansiedlung von Gewerbebetrieben.
Wir möchten nur sicherstellen, dass nicht voreilig, ggf. konzeptlos, mit quasi vorauseilendem Gehorsam, Gelder für ein vielleicht nicht zu
realisierendes „Interkommunales Gewerbegebiet“ eingesetzt und verplant werden.
Gibt es Alternativen?
Wie bekannt, wird die auf dem u .a. im Stadtgebiet Borken
angesiedelte Hendrik-De-Wynen-Kaserne zeitnah aufgegeben werden.
Es kann doch nur das Ziel der Stadt Borken sein, durch
rechtzeitige Planungen und Maßnahmen mit dazu beitragen, das Kasernengebiet
zeitnah wieder einer Nutzung zuzuführen. Ein entsprechender Antrag der FDP
Fraktion wurde vorgelegt.
Welche
Nutzungen böten sich für das Bundeswehrgelände an?
Stichwort Gewerbeflächen:
Aufgrund des günstigen Standortes könnte hier ein
Gewerbeflächenkontingent von besonderem Wert geschaffen werden.
Unseres Erachtens ergeben sich für Borken und Umgebung durch
die Aufgabe der Kasernen
Perspektiven, die im Zusammenhang
mit den Plänen für
ein „Interkommunales
Gewerbegebiet“ nun neu bewertet werden müssen.
Stichwort Lebensqualität:
Borken hat viele Pfunde, mit denen
es sich trefflich wuchern lässt. Da gibt es viel Kultur und eine Kulturlandschaft, die
Erholung garantiert und
jede Menge Lebensqualität bietet.
Jedoch, ketzerisch gesagt: Mit beschaulichem Pättkestouren
allein locke ich künftig niemanden mehr hinter dem Ofen hervor.
Das Bundeswehrgelände bietet viele Möglichkeiten, attraktive
Bereiche für den Schutz der Natur sowie für den Freizeit- und Erholungsbereich
zu schaffen.
Lasst uns gemeinsam Ideen erarbeiten
und umsetzen!
Meine Damen
und Herren,
von uns allen hier, der untersten Instanz im politischen
System dieses Landes, wird solide
Haushaltsführung verlangt.
Dazu gehört die Forderung, dass man sich in Zeiten knapper
Kassen auf das tatsächliche beschränken soll. Das demnächst einzuführende NKF
(Neues Kommunales Finanzmanagement) * wird nicht unsere Probleme lösen, dafür
aber den gesamten Ressourcenverbrauch noch klarer und deutlicher machen. *
nicht NKV- nun kommt Vermögen
Insofern
bestehen für uns – beispielhaft – keine Denkverbote für:
Die VHS
Natürlich,
und dafür steht die FDP, ist Bildung wichtig. Wir stehen dahinter, dass die VHS
einen Bildungsauftrag hat und rütteln
keineswegs an deren Existenz!
Wir stehen
aber auch dafür, die Effizienz dieser Einrichtung zu überprüfen.
Ist es Aufgabe der VHS, Segelkurse, Fittness-Kurse - um nur einige zu nennen- anzubieten?
Wir
vertreten die Auffassung, das Kursangebot der VHS zu überprüfen mit dem Ziel:
Welche mit
öffentlichen Mittel unterstützte Einrichtungen/ welche Vereine bieten Kurse an,
die ebenfalls im Angebot der VHS sind?
Wir möchten
gerne das VHS-Angebot im Bereich der Weiterbildung qualifiziert ausbauen (Sprachkurse
für Migranten z.Bsp.),
dafür aber bestimmte Kurse zu Gunsten von u.a.
Sportvereinen zu streichen.
Auf diese
Weise ließen sich die Einnahmen der Sportvereine steigern, sie würden
finanziell unabhängiger und damit auch selbständiger, auf der anderen Seite
würde die VHS effizienter.
Die Musikschule
Auch hier
möchten wir nicht die Existenzberechtigung, ja die Existenzverpflichtung
Und somit
die Bedeutung einer Musikschule, die ein wichtiger Beitrag für unsere
Kulturlandschaft ist, anzweifeln.
Wir sind jedoch der Meinung, dass die Musikschule mit
anderen, auch privaten Musikschulen oder ggf. Vereinen kooperieren sollte.
Wir erwarten
diesbezüglicher Vorschläge, eine bessere Auslastung und damit eine
Effizienzsteigerung. In Waltrop wird aktuell eine Musikschule geschlossen. So
etwas muss in Borken verhindert werden.
Es gilt, wo öffentliche Mittel gekürzt oder sogar ganz
gestrichen werden, sind bei gemeinnützigen Einrichtungen und Organisationen
Alternativen gefragt.
Wir als FDP-Fraktion denken dabei auch an Fundraising,
Beschaffung von Mitteln
für am Gemeinwohl orientierte Zwecke.
Sehr
geehrter Herr Bürgermeister,
verehrte
Kolleginnen und Kollegen im Rat,
lassen Sie
mich zum Fazit kommen:
Natürlich ist die FDP-Fraktion mit der einen oder anderen
Haushaltsposition, so wie sie nun beschlossen wird, nicht einverstanden.
Natürlich würden wir gern Ihr „Ja“ zu den von uns
eingereichten Anträgen hören. Wir werden aber auch 2007 unseren klaren Weg
weitergehen, denn:
„Wer ans Ziel kommen will, muss Spur
halten“!
Dieser
Haushalt bringt nach unserer Meinung keine Risiken in sich.
Die
FDP-Fraktion wird diesem Haushalt zustimmen.
gez. Günther
Dirks
Fraktionsvorsitzenden