Rat stimmt heute für Tauschgeschäft

Borken . Der Rat wird heute Abend in geheimer Sitzung für das Grundstückstauschgeschäft mit der Kirche stimmen. CDU, SPD und FDP sind dafür, die Grünen werden sich enthalten, bei der UWG gibt es noch keinen Beschluss. Die Stadt tauscht damit rund 10.000 Quadratmeter auf dem Bierbaum-Gelände mit dem kirchlichen Grundstück, auf dem Josefskirche und Pfarrerhaus stehen. Da diese Fläche kleiner ist und wertmäßig geringer beurteilt wird, erhält die Stadt noch einen sechsstelligen Euro-Betrag von der Kirche. Gotteshaus und Pfarrgebäude werden der Stadt von der Kirche nicht in Rechnung gestellt.

Propstei-Gemeinde und Caritas wollen auf der Bierbaum-Fläche ein Altenheim bauen. Außerdem plant die Kirche dort zusammen mit einem Investor Gebäude für Betreutes Wohnen zu errichten.

Die Stadt beabsichtigt im Gegenzug, die Josefskirche zu einem Jugendhaus umzubauen und dort auch die Volkshochschule unterzubringen. Insgesamt sind dafür Mittel von 2,6 Millionen Euro für den Umbau vorgesehen. In diesem Jahr können bereits 900.000 Euro ausgegeben werden.

CDU-Fraktionsvorsitzender Peter Flinks wertete die Einigung gestern auf Nachfrage als vernünftig. Es sei sinnvoll, die Kirche nicht abzureißen, sondern weiter zu nutzen. Bei der SPD, so deren Fraktionsvorsitzender Klaus Bunse, billige man auch das Verhandlungsergebnis, auch wenn es einige Bedenken gegeben habe, ob die Kirche gerade für die offene Jugendarbeit ideal wäre.

Nach "eingehender Diskussion", so Ratsmitglied Josef Kipp, hat auch die FDP dem Geschäft zugestimmt. "Das sind marktkonforme Preise", so der Kommunalpolitiker.

Bei der UWG, so deren Pressesprecher Johannes Lenartz, wolle man die Diskussion im Rat noch abwarten. Skeptisch werde aber gesehen, dass die Stadt viel Geld für die Bierbaum-Auslagerung ausgegeben habe, jetzt aber wenig zurück erhalte.

Die Grünen enthalten sich dagegen, "weil uns ein eigenständiges Jugendhaus lieber gewesen wäre", sagt Fraktionsvorsitzende Christina Martsch. Von der Kostenseite gehe das Ergebnis "nicht so sehr zu Lasten der Stadt, wie wir das befürchtet haben".

Mit der mehrheitlichen Zustimmung im Rat zum Grundstückstausch gehen lange Verhandlungen zwischen Stadt und Kirche zu Ende. Ausgelöst worden waren die Überlegungen durch die Ankündigung von Propst Wilfried Theising im Sommer 2004, dass die Josefskirche aufgegeben, möglicherweise gar abgerissen werden müsse.

Die Stadt hatte derweil das Bierbaum-Gelände ausgeschrieben und war mit einem auswärtigen Investor im Gespräch, der ebenfalls ein Altenheim auf dem Eckgrundstück an der Heidener Straße bauen wollte. Nachdem dann aber die Kirche signalisierte, sie sei an einem eigenen Altenheim interessiert, kam schnell der Grundstückstausch ins Spiel. Zwar sehen Verwaltung und Politik die Kirche nicht als optimal für ein Jugendhaus an. Vorteil ist aber, dass es mitten im Schulzentrum liegt. Bei der Stadt rechnet man damit, dass Betreuungsangebote für Schüler am Nachmittag in Zukunft wichtiger werden, von daher passe der Standort.

Mittwoch, 05. April 2006  |  Quelle: Borkener Zeitung (Borken)